Erfahrungsbericht aus dem Staatsarchiv Landsberg

aktuellere Ergänzungen finden sich jeweils angehängt

Barbara Rommel schrieb
am Tue, 28 Nov 2000 10:47:49 EST zu "Erfahrungsbericht aus dem Staatsarchiv Landsberg":

Hallo Neumärker,

ich bin wieder aus Landsberg zurück und möchte Euch über meine dortigen Archiv-Erfahrungen berichten. Zunächst erst einmal etwas zur Behördenstruktur. Das Landsberger Archiv besitzt lediglich den Status einer Abteilung des Staatsarchivs Stettin. Die korrekte Anschrift lautet deshalb auch:

Archivum Państwowie w Szczecinie
Oddział Gorzowie Wielkopolskim
Kierownik mgr. Dariusz Rymar (Kierownik = Abteilungsleiter)
PL 66-400 Górzow Wielkopolski
ul. Grottgera 24/25.

Tel.: 0048-95-7227968
E-Mail: sekretariat@gorzow.ap.gov.pl (Stand: 2007)

Ich hatte meinen Besuch dort vier Wochen vorher in einem Schreiben an das Stettiner Staatsarchiv mit der Bitte um Reservierung eines Arbeitsplatzes angekündigt und einen Durchschlag des Briefes mit gleicher Post zur Kenntnis nach Landsberg geschickt. Eine für ein Jahr gültige Forschungserlaubnis hatte ich seinerzeit noch vor der Neuregelung im Frühjahr aus Warschau erhalten, die als Kopie damals gleichzeitig sowohl nach Stettin als auch nach Landsberg geschickt worden war.

Künftig kann man die Forschungserlaubnis für Landsberg ja nun direkt in Stettin beantragen. Die Anschrift des Stettiner Archivs lautet:

Archivum Państwowie Szczecinie
Dyrektor doc. dr hab. Kazimierz Kozłowski
PL 70-410 Szczecin
ul. Św. Wojciecha 13.

Doch nun zum Landsberger Archiv: Der Lese"saal" befindet sich im 1. Stock und ist eigentlich nur ein kleines Dachstübchen, in dem sich zwei Tische mit je zwei Stühlen, ein Regal und ein Kopiergerät befinden. Es empfiehlt sich also schon aus Platzgründen unbedingt, sich rechtzeitig anzumelden. Ein Schild an der Wand, das mir erst am zweiten Tag auffiel, verweist auf eine Überwachungskamera, die direkt den Tischen gegenüber angebracht und ständig in Betrieb ist.

Überrascht war ich von der freundlichen und geradezu familiären Atmosphäre dort. Alle Mitarbeiter sprechen bzw. verstehen mehr oder weniger gut deutsch und sind ausgesprochen hilfsbereit.

Nach dem Ausfüllen des obligaten Anmeldeformulars konnte ich mir sofort die gewünschten Akten bestellen, die ich ohne jegliche Reglementierung hinsichtlich der Menge innerhalb von fünf bis höchstens zehn Minuten auf dem Tisch hatte.

Einziger Wermutstropfen: Einige Bände der mich interessierenden Standesamtsregister bzw. Kirchenbuchabschriften waren nicht verfügbar, da sie sich zur Zeit in Stettin zur Konservierung befinden, und eine ursprünglich inventarisierte Akte aus dem Bestand der Superintendentur Landsberg war inzwischen leider nicht mehr vorhanden.

Für die Standesamtsregister bzw. Kirchenbücher verwendet man dort als Findmittel übrigens das Bestandsverzeichnis von Georg Grüneberg. Das Findmittel für den Aktenbestand der Superintendentur Landsberg hingegen bestand aus ca. 200 Karteikarten, die mit einer Art Schnürsenkel zwischen zwei Deckpappen eingebunden waren. Aber das soll, wie ich erfuhr, auch bald der Vergangenheit angehören, denn zur Zeit laufen auch hier die Vorbereitungsarbeiten für ein gedrucktes Verzeichnis des gesamten vorhandenen Bestandes, mit dessen Erscheinen man voraussichtlich im nächsten Jahr rechnet.

Ein nettes kleines Detail am Rande: Jeden Tag in der Mittagspause wurden wir gefragt, ob wir eine Tasse Tee oder Kaffee mittrinken möchten. Nach stundenlangem Studium staubiger Akten ein überaus verlockendes Angebot, von dem ich dann auch gern Gebrauch gemacht habe.

Geöffnet für den Publikumsverkehr ist das Landsberger Archiv übrigens von 8.30 bis 14.30 Uhr. Daß ich regelmäßig diese Zeit um 15 bis 20 Minuten überzogen habe, scheint aber außer mir niemand bemerkt zu haben.

Schier Unglaubliches habe ich in puncto Kopien erlebt. Nicht nur, daß ich die Kopien der markierten Seiten jeweils am gleichen Tag noch erhielt, ich habe obendrein keinen Pfennig dafür bezahlen müssen. Offensichtlich scheinen dort Gebühren für eine Kopie erst dann anzufallen, wenn man sie mit Stempel und so beglaubigt haben will bzw. wenn sie verschickt werden müssen.

Es versteht sich von selbst, daß ich mich für so viel Entgegenkommen mit einem kleinen Abschiedsgeschenk erkenntlich gezeigt habe.

Die Stadt selbst hat mir übrigens nicht so besonders gefallen, aber das mag vielleicht auch ein bißchen an der Jahreszeit gelegen haben. Übernachtet habe ich dort im Hotel Stilon, ul. Walczaka 20 A, PL 66-400 Gorzów Wlkp., Tel. (0048 95) 7332462 oder - 7321973, einem Zwei-Sterne-Hotel, wo ich für ein Einzelzimmer mit Bad, Fernseher und Radio 110 Zloty pro Nacht (1 Zloty = ca. 1.90 DM) bezahlt habe. Frühstück (a la carte) ist übrigens nur bis zu einem Wert von 10 Zloty im Zimmerpreis inbegriffen, womit ich jedenfalls regelmäßig nicht ausgekommen bin. Das Hotel selbst liegt zwar etwas außerhalb des Stadtzentrums und auch nicht gerade in der Nähe des Archivs, das sich genau am anderen Ende der Stadt befindet, aber beides ist mit Bus (Linie 124) und Straßenbahn gut zu erreichen, zumal sich die Haltestelle direkt am Hotel befindet. Für das nächste Mal empfahl mir eine Mitarbeiterin des Archivs das Hotel "Gracja", ul. Dembrowskiego 20 b, Tel. (0048 95) 7202815, das bei etwa gleicher Preislage günstiger gelegen und auch besser ausgestattet sein soll. Falls jemand von Euch eine komfortablere Preisklasse vorzieht, kann ich Euch bei Bedarf auch gern ein paar andere Hotel-Adressen nennen.

 

Nachtrag

Der Erfahrungsbericht ist mittlerweile etwas überholt. Eine zentrale Forschungserlaubnis aus Warschau ist inzwischen nicht mehr nötig.

Ergänzung von Jörg Krämer (Sept. 2002):

Die Erlaubnis zur privaten Forschung wird für alle staatl. Archive in Polen vom Leiter der jeweiligen Einrichtung erteilt. Für Landsberg ist dies Herr Dr. Dariusz Rymar (Archivum Panstwowe w Szczecinie oddzial w Gorzowie Wlkp. ul.Grottgera 24/25 ). Empfehlenswert ist eine schriftliche Antrag mit Angabe des Besuchszeitraumes. Die Erteilung der Genehmigung erfolgt umgehend in polnische Sprache. Das Arbeitsklima in Landsberg ist sehr angenehm, die Mitarbeiter freundlich nur der Leseraum ist etwas klein.

Ergänzung von Olaf Hänseler (Sept. 2002):

Adressen: sind immer noch dieselben (siehe oben oder "Sezam").

Genehmigung: Entgegen anders lautenden Meldungen ist die Genehmigung in Stettin einzuholen NICHT in Landsberg!
In Landsberg kann man unter Umständen eine Erlaubnis für wissenschaftliche Arbeiten erlangen -mit Absprache des dortigen Direktors/ Abteilungsleiters.
Die Genehmigung sollte auf alle Fälle für sämtliche Bereiche ( also AG; StA; Magistrat; Katasteramt etc.) und so schnell wie möglich, spätestens aber 3 Monate vorher eingeholt werden. In letzter Zeit ist es gelegentlich zu "Schludrigkeiten" gekommen, so daß diese zum Reisetermin nicht vorlag. Falls dieses eintreten sollte kann man entweder telefonisch in Landsberg bzw. Stettin anfragen was los ist oder aber trotzdem losfahren und den Leuten in Landsberg die Situation schildern. Diese sind im allgemeinen sehr hilfsbereit und holen die Genehmigung per Fax ein was aber einige Zeit dauern kann. Auch möchte ich diese Variante nur denen raten die bereits dort gewesen sind.
Diese Probleme häufen sich leider. Der Grund liegt vielleicht darin, daß sich Stettin "nicht mehr so zuständig fühlt". Seit gut 2 Jahren gibt es ständig Verhandlungen wonach Landsberg selbständig werden soll und so oft diese Gespräche geführt werden kommt man immer zu dem Schluß, daß dafür einfach kein Geld vorhanden ist.
Deswegen wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Archiv während der Heizperiode geschlossen.

Anmeldung im Archiv: Diese kann ruhig eine Woche bis wenige Tage vorher erfolgen. Der eigentliche Leseraum ist zwar klein und bietet maximal 4 Personen Platz (letztendlich 2 Personen mit Aktenstapel) doch wird zu diesem Zweck auch der Ausstellungs- und Beratungssaal genutzt. Auch sind selten so viele Besucher auf einmal dort zumal diese meist um die Mittagszeit kommen und nicht allzulange bleiben.

Die Grenze: passiert man am besten - mit PKW - von Küstrin/ Kietz aus. Dieser Übergang ist relativ gering frequentiert und steht dort nicht so lange wie bei Frankfurt/ O. und die Fahrt dauert ebenfalls nicht so lange. Von dort fährt man (an der ersten Kreuzung links abbiegen) durch Küstrin durch und ist gleich auf der alten Reichs-/ Heeresstraße (Nr.22) . Die Ausschilderung nach Gorzow (Nr. 133) ist zwar besser aber länger da diese unterhalb der Warthe über Sonnenburg führt.

Öffnungszeiten: sind Montag bis Freitag jeweils von 8:30 bis 14:30 außer Feiertags = 1.1.; 24.4.; 3.5.; 22.6.; 15.8.; 1.11.; 25.+26.12.
Früher habe ich das Archiv erst mit dem Personal zusammen verlassen, also 16:00. Nun wird man "bereits" kurz vor oder kurz nach 15:00 "gemahnt" seine Arbeit zu beenden.

Im Archiv: Die Atmosphäre ist ausgesprochen familiär.Nicht nur unter dem Personal auch der Besucher wird mit einbezogen und zum Kaffee trinken eingeladen. Jedoch sehe ich dies wohl bald schwinden da Frau Janicka (Leiterin des Sekretariats), die "gute Seele des Hauses" Anfang kommenden Jahres nun doch in den Ruhestand gehen wird. Das bleibt aber noch abzuwarten. Dies wird sich vielleicht auch auf den bisher ungezwungenen Umgang betreffend Bestellung von Akten auswirken. Bestellungen werden entgegengenommen solange noch jemand da ist diese zu bringen auch ohne Einschränkung der Anzahl. Es sei denn man übertreibt es. Gebühren für die Einsicht - pro Akte, pro Rubrik, pro Tag - oder was sonst so bei uns so üblich ist gibt es (noch) nicht. Diese fallen erst mit dem kopieren an.
Findmittel gibt es für alle Abteilungen und in den Verschiedensten Formen. Angefangen vom dicken gebundenen Buch bis hin zu Karteikarten zwischen zwei dicken Pappdeckeln die verschnürt sind. Nicht immer leicht ist es die neuen/ aktuellen Signaturen in den "ungebundenen Paketen" von den alten zu unterscheiden. Da muß man mal gelegentlich Nachfragen.

Kopien: werden meist noch am selben Tag angefertigt, mitunter auch mehrmals zwischendurch. Seit einigen Monaten gibt es eine neue Kopierordnung. Statt früher 1 Zl pro Kopie A4 (z.B. aus einer Magistratsakte) zahlt man nun 2 Zl. Für Kirchenbuch- und Standesamtsauszüge soll man wohl schon etwa 7 € hinlegen. Noch teurer werden diese sobald ein amtlicher Stempel drauf soll oder diese per Post angefordert/ versendet werden. Solche Post geht vorher nach Stettin wo nochmalige Bearbeitungsgebühren anfallen.

Die Stadt: ist vorwiegend grau und trist und mit vielen 70er Jahre Betonklötzern bestückt. Nur in der Innenstadt - um die Marienkiche herum sieht besser aus. Ein Lichtblick darin sind die Parks mit ihrem Grün von der Innenstadt aus in wenigen Minuten zu erreichen sind.

Übernachtungen: sind in mehreren Hotels der Stadt mit den verschiedensten Standards möglich.

 

Ergänzung von Detlef Schulze (Jun. 2004):

Am 14./15.06. war ich in Landsberg. Entgegen den Befürchtungen vieler, denen ich vorher von meiner Absicht erzählt habe, ist die Fahrt mit dem Auto ohne jede Schwierigkeit verlaufen. Abgestiegen bin ich im
        Hotel Mieszko (gespr.: Mjeschko)
        PL 66-400 Gorzów Wielskopolski
        ul. Kosynierów Gdynskich 82
        www.hotel -mieszko.pl
        e-mail: office@hotel-mieszko.pl
        Reservierung: Tel.: +48-95/735 62 79
        Fax:                      /722 56 71
Dabei handelt es sich um ein renoviertes 239-Betten-Hotel, dem man allerdings den sozialistischen Charme noch ansieht. Zimmerpreis: 210 sloty (~ 50 Euro) incl. Frühstück. In dem ansonsten recht guten, nicht teuren Restaurant ist das Frühstücksbuffet nicht allzu üppig, aber man wird satt! Das Hotel hat einen 24 Std. bewachten, umzäunten Parkplatz, der mit 20 sloty/Nacht vergleichsweise teuer ist (ein vegetarisches Tellergericht hat mit Getränk nicht mehr, also nur 5 Euro, gekostet, da es für Hotelgäste auf die Restaurantpreise noch 20 % Rabatt gibt!).
Zum Archiv läuft man bergauf ca. 1/2 Std. Man kann aber auch mit dem Auto fahren (es gibt dort einen umzäunten Parkplatz). Die dortigen Mitarbeiterinnen und der Chef (ich kenne keine Namen!) sind freundlich und entgegenkommend. Nur die erstaunliche Erfahrung von Barbara Rommel mit den kostenlosen Kopien habe ich nicht machen können; mir hat man 22 sloty für eine Kopie mit meinen dortigen Spitzenahnen abgeknöpft, also über 5 Euro! Dafür hat eine Dame aber mindestens 5 Kopien erstellt und zu einer Kopie (mit Kb-Deckblatt) zusammengeschnitten.

 

Ergänzung von Ina und Werner Stutzbach (Jun. 2004):

Die z.Zt. gültige Tel. Nr.: 0048 - 95 - 722 7968. Unter dieser Nr. kann man auch ein Fax loswerden, aber sie haben nur eine Leitung ohne automatische Umschaltung, d.h. Fax vorbereiten, telefonisch um Einschaltung des Fax bitten und dann kann es losgehen.

 

Ergänzung von G. Holstein, Berlin (Dez. 2005):

Bitte diesem Link folgen.

Zurück zur Startseite der Neumark-L

-----------------------------------

© 2002, 2007 Dr. Gerd C. Schmerse

Designed with WordStar for DOS